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Bildquelle: AiF | FVV

08.10.2019

AiF und Industrie werben gemeinsam in der Politik für mehr Förderung von Forschung und Entwicklung durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie

Damit Unternehmen im vorwettbewerblichen Stadium Zugang zu praxisorientierter Forschung erhalten, stellt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) im Rahmen der Industriellen Gemeinschaftsforschung aktuell rund 169 Millionen Euro für herausragende Forschungsprojekte und die Netzwerkbildung zwischen vorwiegend mittelständischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen bereit. Da viele wertvolle Projektideen dennoch nicht in die Förderung kommen, setzt die Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen (AiF) zusammen mit ihren Mitgliedsvereinigungen alles daran, die Abgeordneten des Deutschen Bundestages für einen Mittelaufwuchs zu sensibilisieren. In den nächsten Jahren soll das Fördervolumen auf mindestens 200 Millionen, mittelfristig auf bis zu 300 Millionen Euro pro Jahr steigen.

Dr. Christian Jung, Bundestagsabgeordneter für die Region Karlsruhe, zu Gast bei der IAVF Antriebstechnik

„Alle zwei bis drei Kilometer gibt es in Karlsruhe und Umgebung einen mittelständischen Weltmarktführer,“ sagte der Bundestagsabgeordnete Dr. Christian Jung (FDP). Sein Wahlkreis ist Karlsruhe-Land. Gemeinsam mit Vertretern der AiF und der FVV besuchte er am 17. September 2019 die IAVF Antriebstechnik GmbH, ein Mitgliedsunternehmen der FVV, und informierte sich über die Wirkung und den Erfolg der Industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF) in dem 1980 von Mitarbeitern der Universität Karlsruhe und des damaligen Kernforschungszentrums gegründeten Unternehmen.

In der Stadt und dem Landkreis Karlsruhe entstehen täglich weltweit wirksame Innovationen für die aktuelle und künftige mobile Gesellschaft

Dietmar Goericke, Geschäftsführer der FVV und des Forschungskuratoriums Maschinenbau (FKM) im VDMA, hat den Besuch zusammen mit Andrea Weißig, Geschäftsführerin AiF Forschungspolitik, organisiert.

„Forschung ist in vielen deutschen Mittelstandsunternehmen existenzsichernd und fester Bestandteil der Produktinnovation,“ hob Goericke hervor. „Wir haben heute allerdings eine ganz neue Situation: Die klassischen Branchengrenzen lösen sich auf - Stichwort Digitalisierung. Das war vor fünf bis sechs Jahren noch außerhalb unseres Fokus. Die KMU benötigen System-Knowhow, zum Beispiel bei Prozessfragen. Die IGF-Netzwerke helfen hier über die gesamte Wertschöpfungskette mit übergreifenden Innovationsimpulsen aus der Forschung und dem ständigen Transfer aus den IGF-Projekten.“

Derzeit stehen für die IGF 169 Millionen Euro für 2019 zur Verfügung. Jährlich können hiermit mehr als 500 Vorhaben neu bewilligt und insgesamt über 1.700 laufende Vorhaben gefördert werden. „Der Bedarf ist aber deutlich höher, und deshalb hoffen wir auf einen signifikanten Mittelaufwuchs für die IGF ab dem Haushaltsjahr 2020“, betonte Andrea Weißig.

„Diese Förderung von Vorhaben der vorwettbewerblichen Gemeinschaftsforschung durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) hat die Forschungskultur unseres Unternehmens nachhaltig geprägt und zur Erweiterung des Unternehmens-Portfolios maßgeblich beigetragen“, erklärte Dr. Bernhard Kehrwald, Geschäftsführer der IAVF Antriebstechnik GmbH. Aktuell ist das baden-württembergische Unternehmen gemeinsam mit weiteren kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) in vier IGF-Forschungsvorhaben der FVV engagiert.

Schiffsgroßmotoren mit erheblich weniger Emissionen

Bei den vier Forschungsvorhaben geht es unter anderem um eine wirksame Verringerung von Asche- und Rußpartikelemissionen bei Schiffsgroßmotoren. Bisher gibt es keine technischen Lösungen zur effektiven Filterung. Das gemeinsame IGF-Vorhaben soll die Anwendbarkeit offenporiger Filter untersuchen. Die Ergebnisse werden Grundlage für eine industrielle Fertigung von Schiffsdieselpartikelfiltern. Erste Produkte werden in drei bis fünf Jahren nach Projektende erwartet. Die weiteren drei Vorhaben beschäftigen sich ebenfalls mit der Einhaltung von Emissionsgrenzwerten bei Autos und anderen Kraftfahrzeugen.

Eine Brücke zwischen Grundlagenforschung und wirtschaftlicher Anwendung

Aus dem Kreis der Unternehmen werden gute Projektideen den Forschungsvereinigungen vorgeschlagen, die in der Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen Otto von Guericke e. V. (AiF) zusammengeschlossen sind. Eine Fachjury bewertet unter anderem, ob der Vorschlag Innovationspotenzial für die gesamte Branche enthält. Forschungseinrichtungen bearbeiten die erfolgreich ausgewählten Projekte in Zusammenarbeit mit einem projektbegleitenden Ausschuss, in dem vor allem KMU vertreten sein müssen. Dieses Gremium wirkt lenkend und beratend bei dem Projekt mit und sorgt gleichzeitig für den Ergebnistransfer. Insgesamt sind 20.000 Unternehmensbeteiligungen bei den 1.600 laufenden IGF-Vorhaben zu verzeichnen.

Das wesentliche Kennzeichen der IGF ist die Zusammenarbeit von Unternehmen in der vorwettbewerblichen Forschung: Die Forschungsergebnisse der Projekte sind für alle beteiligten Unternehmen und Akteure gleichermaßen zugänglich. Sie dürfen nicht zu einseitigen Wettbewerbsvorteilen einzelner Unternehmen führen. Durch den Zugang zu praxisnahen Forschungsergebnissen wird die technologische Leistungsfähigkeit der mittelständischen Wirtschaft gestärkt und die technologische Entwicklung in den beteiligten Branchen und Technologiefeldern gefördert. Zudem soll eine dauerhafte Forschungskooperation von Forschungseinrichtungen und Unternehmen in branchenweiten oder branchenübergreifenden Netzwerken geschaffen werden.

Die spezielle Fördervariante CORNET vernetzt Forschungsaktivitäten auf internationaler Ebene durch länderübergreifende Projektkooperation. Die Forschungsallianz Energiewende (FAE) erweitert die Forschungsmöglichkeiten der IGF in Bezug auf Projekte, die in engem Zusammenhang mit der Energiewende stehen.

 

Bildlegende (v. l. n. r.):

Dietmar Goericke (Geschäftsführer FVV/FKM), Dr. Bernhard Kehrwald (Geschäftsführer IAVF), Dr. Peter Berlet (Teamleiter Motorenversuch IAVF), MdB Dr. Christian Jung (FDP), Andrea Weißig (Geschäftsführerin AiF Forschungspolitik)

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