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Bildquelle: EFI

15.03.2022

EFI Jahresgutachten: Deutschland braucht eine ganzheitliche Forschungs- und Innovationsstrategie

Am 9. März wurde das EFI-Jahresgutachten 2022 an Bettina Stark-Watzinger, Bundesministerin für Bildung und Forschung, übergeben // Kernthemen 2022: Position Deutschlands und der EU bei Schlüsseltechnologien / Motorisierter Individualverkehr auf dem Weg zur Nachhaltigkeit

Titelbild: Übergabe des EFI-Jahresgutachtens an Bettina Stark-Watzinger, Bundesministerin für Bildung und Forschung. V. l.: Prof. Dr. Till Requate, Prof. Dr. Irene Bertschek (zugeschaltet), Prof. Dr. Katharina Hölzle (stv. Vorsitzende), Prof. Dr. Uwe Cantner (Vorsitzender), Bundesministerin Bettina Stark-Watzinger, Prof. Dr. Holger Bonin, Prof. Dr. Carolin Häussler. (Foto: Hans-Joachim Rickel/BMBF)

Die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) nimmt in ihrem Jahresgutachten, das am 9. März 2022 an Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger übergeben wurde, Stellung zu forschungs- und innovationspolitischen Vorhaben der Ampel-Koalition. »Die Regierungsparteien haben im Koalitionsvertrag wichtige Aufgaben der Forschungs- und Innovationspolitik benannt und in den Dienst der Transformationen zu einer sozial-ökologischen Wirtschaft und Gesellschaft gestellt«, sagt der Vorsitzende der Expertenkommission, Prof. Dr. Uwe Cantner, Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre, Mikroökonomik, Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät, Friedrich-Schiller-Universität Jena von der Universität Jena. Nun gelte es, eine ganzheitliche Forschungs- und Innovationsstrategie zu entwickeln, die den gesamten Innovationsprozess umfasst und aufeinander abgestimmte Förderprioritäten benennt, so Cantner.

Technologische Rückstände aufholen

Damit Transformationsprozesse, wie die Energiewende, die Mobilitätswende oder die Digitalisierung erfolgreich verlaufen, müsse sich Deutschland als Innovationsstandort behaupten, so das Expertengremium. Gerade bei den digitalen Schlüsseltechnologien hinke Deutschland hinter den USA und asiatischen Ländern, allen voran China, hinterher. »Die deutsche Politik muss noch aktiver werden, wenn es darum geht, technologische Rückstände aufzuholen«, fordert Cantner. Die von der vorherigen Bundesregierung aufgesetzte KI-Strategie werde bislang eher schleppend umgesetzt.

Niedriger CO2-Preis bremst Markteinführung von Technologien

Auch bei der Verfolgung der ambitionierten Klimaziele sei eine verstärkte Koordination verschiedener Politikfelder erforderlich. »Es reicht nicht aus, die Entwicklung CO2-armer Technologien mit Hilfe von Förderprogrammen zu unterstützen, sondern es müssen auch die geeigneten Rahmenbedingungen für die Diffusion dieser Technologien geschaffen werden,« erläutert Uwe Cantner. Die Expertenkommission misst hierbei der CO2-Bepreisung eine besondere Bedeutung zu. Einer zügigen Markeinführung vieler bereits marktreifer nachhaltigkeitsorientierter Innovationen, beispielsweise im Mobilitäts- und im Energiebereich, steht ein zu niedriger CO2-Preis entgegen.

Wissenschafts- und Forschungspolitik für die Transformation gestalten, Innovationsptenziale erschliessen, Wissens- und Technologietransfer weiter fördern

Die Expertenkommission empfiehlt, das ›Projektträger-Modell‹ weiter zu optimieren. Die Gründung einer Deutschen Agentur für Transfer und Innovation (DATI) sieht die EFI dagegen mit Skepsis. »Agenturen sind kein Allheilmittel«, erklärt Cantner. Die der DATI zugedachten Aufgaben deckten sich in weiten Teilen mit denen, für die die Projektträger zuständig sind. Vorrangig müsse der Transfer in die wirtschaftliche und gesellschaftliche Anwendung verstärkt in den Fokus gerückt werden.

Genau diesen Transfer gewährleiste die weltweit einmalige Industrielle Gemeinschaftsforschung (IGF) in besonders effizienter Weise, so der Hauptgeschäftsführer der AiF Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen, Dr.-Ing. Thomas Kathöfer. Er begrüßte die Empfehlung der EFI und erklärte: »Angesichts der stark gesunkenen Innovatorenquote im deutschen Mittelstand und der enormen Herausforderungen, vor denen Wirtschaft und Gesellschaft in den Bereichen Klimaschutz, Energiewende, Digitalisierung, KI usw. stehen, ist gerade der Transfer weiter zu stärken. Eine jüngst abgeschlossene Evaluation der IGF hat zum wiederholten Mal bestätigt, dass mit der vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) geförderten vorwettbewerblichen und themenoffenen IGF ein äußerst wirkungsvolles Programm zur Erschließung von Innovationspotenzialen bei der Technologie- und Produktentwicklung vorhanden ist. Technologische Trends werden dabei nicht nur von AiF-Mitgliedern, die die IGF umsetzen, initiiert, sondern auch wirkungsvoll über das einzigartige Netzwerk der AiF im Mittelstand verbreitet. Die prioritäre Handlungsempfehlung in der Evaluationsstudie, die Anfang Januar 2022 vom BMWK veröffentlicht wurde, lautet deswegen, dieses effektive Förderprogramm mit seinen klar erkennbaren Alleinstellungsmerkmalen in der deutschen (und europäischen) Förderlandschaft fortzuführen.« Gemäß dieser Evaluationsstudie würdigten nahezu alle befragten Unternehmen und Forschungseinrichtungen die Unterstützung durch den erfolgreichen Wissens- und Technologietransfer und den erleichterten Zugang zu praxisorientierten Forschungsergebnissen durch die IGF.

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