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Bildquelle: frontier economics

31.05.2022

Wie schnell geht nachhaltig?

Bei gleichen, technologieneutralen Nachhaltigkeitskriterien für Elektromobilität und alternative Kraftstoffe könnte Europa viel schneller zu einer sauberen und nachhaltigen Mobilität, insbesondere mit eMethanol, gelangen // Da die Geschwindigkeit der Einführung neuer Technologien in der EU darüber entscheidet, wie viel CO2 aus dem europäischen Verkehrssektor in die Atmosphäre gelangt, beschäftigt sich eine ergänzende Studie zur FVV-Kraftstoffstudie IV aus 2021 derzeit intensiv mit Engpässen, die einen schnellen Hochlauf einzelner Technologien behindern könnten // Diversifizierung heißt das Zauberwort. Dabei sollten unbedingt Technologieoptionen berücksichtigt werden, die die Emissionen der bestehenden und neuen Fahrzeugflotte reduzieren // Vieles spricht für einen Mix, zum Beispiel aus Elektromobilität, versorgt mit europäischem Ökostrom, und klassischen Antriebstechnologien, die mit nachhaltigen, in den sonnigen und windigen Regionen der Welt effizient produzierten synthetischen Kraftstoffen betrieben werden

Energiepreise, Rohstoffknappheit und Unterbrechungen von Lieferketten, um nur einige zu nennen - und die Zukunft ist mehr als ungewiß. Darum wären wir klug beraten, ni cht alles auf eine Karte zu setzen: Diversifizierung heißt das Zauberwort.

Das ehrgeizige Ziel einer kohlenstoffneutralen, nachhaltigen Mobilität kann nicht mit einer einzigen Technologie erreicht werden, sondern nur mit sich ergänzenden, klimaschonenden und wettbewerbsfähigen Antriebslösungen:
» Klassischer Antrieb + kohlenstoffneutrale Energieträger
» Brennstoffzellen-Antrieb + Wasserstoff
» Batterieelektrischer Antrieb + Strom

Die Ergebnisse der FVV-Kraftstoffstudie IV "Transformation der Mobilität im klimaneutralen und postfossilen Zeitalter", die im Oktober 2021 veröffentlicht wurden, haben gezeigt, dass wir auf keine der technologisch verfügbaren Lösungen verzichten sollten. Die derzeit laufende Ergänzungsstudie bestätigt diese Position.

1 | Die FVV-Kraftstoffstudie IV war zu zwei wesentlichen Schlussfolgerungen gelangt:

  • Um die Klimaziele zu erreichen ist nicht die Antriebstechnologie, sondern der möglichst schnelle Ausstieg aus fossilen Energieträgern entscheidend. (»These 2)
     
  • Um die Ziele des Pariser Abkommens zu erreichen, müssen ab sofort mehrere Technologiepfade parallel verfolgt werden (»These 6).

2 | Erste Ergebnisse der FVV-Kraftstoffstudie IVb, deren Veröffentlichung für Herbst 2022 erwartet wird, zeigen, dass:

  • Die Hochlaufgeschwindigkeit des BEV-Pfads ›batterieelektrischer Antrieb + 100 % erneuerbare elektrische Energie‹ wird mindestens bis 2040 vor allem durch die maximal erreichbare Kapazitätsausbaugeschwindigkeit des europäischen Stromnetzes begrenzt. Darüber hinaus werden auch die Austauschgeschwindigkeit in der bestehenden Fahrzeugflotte und der Ausbau der Ladeinfrastruktur einen ausreichend schnellen Hochlauf nachhaltiger Elektromobilität binden, allerdings in deutlich geringerem Maße.
     
  • Der nachhaltigere Transformationspfadmit E-Methanol oder e-MtG (e-Methanol-to-Gasoline) ›klassischer Antrieb + 100 % erneuerbares Methanol‹ kann somit, aufbauend auf der bestehenden Infrastruktur, mehr als ein Jahrzehnt früher zum Ziel nachhaltiger Mobilität und Klimaneutralität führen. e-MtG ist ein flottenkompatibles, aus Solar- und Windenergie hergestelltes E-Benzin, das in jedem bereits auf dem Markt befindlichen Fahrzeug eingesetzt werden kann.

3 | Der Umwelt-, Industrie- und Verkehrsausschuss des Europäischen Parlaments haben der Europäischen Kommission empfohlen, eine Methode zur Bewertung der CO2-Emissionen von Fahrzeugen über den gesamten Lebenszyklus hinweg zu entwickeln. Dies ist ein klarer Hinweis darauf, dass die derzeitige Messung der CO2-Emissionen allein am Auspuff unzureichend ist, um den tatsächlichen Kohlenstoff-Fußabdruck eines Fahrzeugs zu ermitteln. Ein "Well-to-Wheel"-Ansatz, der berücksichtigt, wie die Energie für den Antrieb eines Fahrzeugs erzeugt wird, wäre ein guter erster Schritt zu einer vollständigen Lebenszyklusbewertung (LCA).

Die Automobilindustrie steht voll und ganz zur Elektrifizierung, aber der Übergang muss richtig gesteuert werden. Bei gleichen, technologieneutralen Nachhaltigkeitskriterien könnte Europa viel schneller zu einer sauberen und nachhaltigen Mobilität mit E-Kraftstoffen, insbesondere E-MtG, gelangen.

* Unter ›optimalen rechtlichen und finanziellen Randbedingungen‹ verstehen die Autoren der Studie die ausschließliche Berücksichtigung von technischen Beschränkungen. Die rasche Entwicklung und Produktion von COVID-19-Impfstoffen innerhalb eines Jahres hat gezeigt, dass schnelle Ramp-up-Szenarien möglich sind, wenn Vorschriften und Zulassungsverfahren zügig und technologieneutral gestaltet werden und Investitionssicherheit besteht.

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