Meine Leidenschaft ist und bleibt die Technik
Die Faszination für Technik begann bei Marco Günther früh. Autos spielten immer eine Rolle, angefangen beim Kettcar, später durfte er mit dem Vater das Auto in die Garage fahren. Im Gespräch erinnert sich Günther an eine Präsentation in der 10. Klasse: »Ich hatte einen Vortrag über Motoren gehalten, warum werden Zylinder in Reihe angeordnet, warum als V, wie lässt sich die Leistung steigern, solche Dinge. Antriebe fand ich schon damals sehr interessant und spätestens in der Oberstufe war klar, dass ein Studium in die technische Richtung gehen soll.« In seiner Freizeit nimmt neben der Technikaffinität der Sport eine zentrale Rolle ein. Günther spielte in den höchsten Jugendligen Fußball und ist begeisterter Wintersportler.
Er studiert Maschinenbau, vertieft im Schwerpunkt Verbrennungsmotoren mit der Motivation, ›sehr fit zu werden in dem Bereich‹. Je mehr er im Studium über die Technik lernt, desto größer wird die Faszination. Bei einem Praktikum bei BMW in München profitiert Marco Günther sehr von erfahrenen Ingenieuren, er erhält Einblicke in die Serienentwicklung. Für die Diplomarbeit bleibt er bei BMW, und der Wunsch zu promovieren verstärkt sich weiter: »Ich habe das auch als persönliche Herausforderung gesehen und wollte richtig tief in ein Thema eintauchen. Für eine mögliche Industriekarriere wäre der Doktortitel sicher auch hilfreich«, erklärt Marco Günther.
Doch 2010, während der Nachwehen der großen Finanzkrise, sind Industriepromotionen rar gesät. Der Ingenieur entscheidet sich für eine Karriere an der Universität, aber nicht aus der Not: »Das universitäre Umfeld hat mir immer extrem viel Spaß gemacht, und durch die Industrienähe der RWTH Aachen ist es ein sehr praxisnahes Lernen und Arbeiten«, sagt Günther.
Am Lehrstuhl für Thermodynamik mobiler Energiewandlungssysteme (tme) wird er 2014 Oberingenieur, die Dissertation folgt 2015, parallel legt er sich in der Geschäftsführung des Aldenhoven Testing Center (ATC) das Rüstzeug zu für einen Karriereschritt, an den damals noch nicht zu denken war. Intensive Einblicke in Finanz- und Rechtsthemen sowie Unternehmensführung, dazu weitere Personalverantwortung – Marco Günther findet Gefallen am Managen, jedoch: »Da schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Einerseits arbeite ich gerne praktisch, möchte Lehren, Forschen und Ergebnisse auswerten, andererseits glaube ich, ganz gut die Fäden in der Hand halten und den Überblick behalten zu können.«
Dass ihm Spaß macht Wissen zu vermitteln, merkt er bei Lehrtätigkeiten während seiner Promotion. Doch kann man jungen Menschen heute noch guten Gewissens raten, Maschinenbau mit dem Schwerpunkt Verbrennungsmotoren zu studieren? »Ja, denn Verbrennungsmotoren werden auch nach 2035 in verschiedenen Applikationen erhalten bleiben, etwa in Schiffen oder stationären Anwendungen wie Blockheizkraftwerken. Außerdem ändern sich die Studiengänge, sie werden interdisziplinärer und beziehen andere Antriebe mit ein.« In dem Zusammenhang bedauert Günther, dass Diskussionen um Antriebe nicht immer offen und fair geführt werden; dass der Verbrenner oft schlechter dargestellt wird, als er ist. Aber:
Prof. Dr. Marco GüntherWenn sich im fairen Wettbewerb zeigt, dass eine Technik in bestimmten Anwendungen besser ist, dann sollte man das akzeptieren.
Die heutige Antriebsvielfalt zeigt sich beim Gang durch die ›heiligen Hallen‹ des tme; die schallgedämmten Türen der 19 Prüfstandskammern stehen offen, der jährliche Wartungstag der technischen Einrichtungen steht an. In mehreren Kammern sind E-Antriebe aufgebaut, auch Brennstoffzellen und ein großer Einzylindermotor mit zwei Litern Hubraum, an dem die Ammoniakverbrennung untersucht wird. Im Softwarelabor erklärt Günther, dass ein Doktorand den Einfluss von KI bei der Bedatung von Motorsteuergeräten untersucht. Finale Ergebnisse stehen noch aus, doch zeigt sich schon jetzt, dass mithilfe der KI Resultate effizienter erzielt werden können. E-Antriebe, Brennstoffzellen, Künstliche Intelligenz – Zeiten und Antriebe ändern sich. Was gleich bleibt, ist die Zusammenarbeit mit der FVV.
Während der Promotion hat Marco Günther intensiv mit der FVV zu tun, die Forschungsstelle bewirbt sich rege auf Projektideen, als Assistent unterstützt er, schreibt etwa Projektanträge. Auf den Tagungen knüpft er Kontakte und erweitert sein Netzwerk; in den Arbeitskreisen wird er mitunter »heftig gechallenged«, wie er selbst sagt: «Da saßen 30 Leute, die das teils seit Jahrzehnten machen und stellen Fragen, über die man sich im Projekt noch keine Gedanken gemacht hat. Man lernt, dass man sich Dinge sehr weitgreifend anschauen und verstehen muss und das war auch mein Anspruch.« Diese teils kritischen Diskussionen haben stark geprägt und in der persönlichen Weiterentwicklung geholfen, obwohl oder vielleicht gerade, weil es Situationen gab, in denen es ›wirklich viel‹ wurde.
Marco Günther vermisst heute diesen intensiven Austausch, manchmal seien zehn Leute im Arbeitskreis vor Ort, wo es früher 30 waren. »Der Austausch ist aber wichtig, und der Input aus dem Projektbegleitenden Ausschuss war und ist immer ein großer Mehrwert für die vorwettbewerbliche Forschung. In den digitalen Formaten geht dieser intensive Austausch leider etwas verloren«, sagt Günther. Doch die FVV mache ›einen echt guten Job‹, und es wäre schön, wieder mehr OEM und Zulieferer als Konstante zu integrieren. Auch Experten aus der E-Maschinenentwicklung oder Batterieforschung könnten über die Vielfalt und Breite der Themen die OEM-Präsenz stärken. »Die vorwettbewerbliche Forschung war und ist der USP, alle großen OEM saßen da, man hat ein Thema präsentiert und 30 Leute haben darüber diskutiert«, sagt Günther. »Das ist ein hohes Gut und sollte erhalten bleiben.« Auch die Studierenden profitieren von der FVV, die Projekte bieten eine gute Grundlage für Promotionen und Abschlussarbeiten.
Wie sich die Lehre ändert und mit der Zeit geht, zeigt Folgendes: Nicht nur das Vorlesungsangebot im Bereich der mobilen Antriebe wird stetig ausgebaut, sondern die Lehrveranstaltungen werden immer digitaler. So wurde an der RWTH im aktuellen Wintersemester erstmalig ein vollständig digitaler Masterstudiengang aufgesetzt – alle Vorlesungen, Übungen und sogar die Prüfungen finden online statt. »Die Studierenden können sich so das Studium zeitlich selbst organisieren. Aber es ist etwas schade, weil das Live-Erlebnis in der Vorlesung fehlt und ich nicht weiß, ob ich die Studierenden begeistern und motivieren kann. Die persönliche Interaktion in kleinen Kursen ist schon toll«, erklärt Günther.
Das Wort ›begeistern‹ fällt im Gespräch des Öfteren, man merkt ihm die Technik-Faszination nach wie vor an, anders wäre nicht zu erklären, dass er täglich sehr lange im Institut ist. Er möchte nicht nur die Pflicht erfüllen, sondern seinen Studierenden attraktive Angebote machen und gute Ingenieure ausbilden. Anfang Juni 2025 wurde aus Dr.-Ing. Marco Günther apl. Prof. Dr.-Ing. Marco Günther – mit der Ernennung zum außerplanmäßigen Professor wird sein jahrelanges Engagement in Lehre und Forschung gewürdigt.
Was die Zukunft bringt, da lässt er sich überraschen, doch auch Industriejobs seien nicht uninteressant, er könne sich durchaus dafür begeistern, bei einem OEM ein Auto in Serie zu bringen, ein Projekt lange zu begleiten. »Meine Leidenschaft ist und bleibt die Technik.« Man merkt es ihm an. //
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