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FVV stellt weitere Thesen zur Klimaneutralität des europäischen Verkehrssektors vor. 14.10.2022

Wie schnell geht nachhaltig?

Diversität ist auch in der Wissenschaft essentiell, damit wir Zukunft nicht nur offen denken, sondern auch effizient und nachhaltig ermöglichen können. Technologieverbote sind dabei kritisch zu betrachten, da sie den Wandel hin zu CO2-neutralen Antrieben eher verzögern als beschleunigen. Wie man so früh wie möglich Treibhausgasneutralität im europäischen Verkehrssektor erreichen und dabei Hochlaufpotenziale einzelner Technologiepfade berücksichtigen kann, hat eine weitere Studie der FVV zu zukünftigen Kraftstoffen analysiert.

Text: Petra Tutsch

Die europäische Automobilindustrie steht vor vielen Herausforderungen - steigende Energiepreise, Rohstoffknappheit und Unterbrechungen von Lieferketten, um nur einige zu nennen - und die Zukunft ist mehr als ungewiß. Ist es vor diesem Hintergrund klug, »alles auf eine Karte zu setzen«? Brächte eine stärkere Diversifizierung nicht Vorteile mit Blick auf die Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit zukünftiger Antriebstechnologien?

Diesen Fragen ging eine im Oktober 2021 veröffentlichte, umfassende Studie zur ›Transformation der Mobilität im klimaneutralen und postfossilen Zeitalter‹ nach. Die Ergebnisse einer Ergänzungsstudie wurden nun Anfang Oktober in Würzburg auf der Herbsttagung der FVV vorgestellt.

Sie enthält vier wichtige Merkmale:

  • Stärkere Fokussierung auf den Straßensektor
  • Hinzunahme neuer Kombinationen aus Antrieb und treibhausgasneutralen Energieträgern (Plug-in-Hybrid-Elektrofahrzeuge und Methanol-to-Gasoline-Drop-in-Kraftstoff)
  • Berücksichtigung des technischen Ausbaupotenzials defossiler Transformationspfade für den europäischen Straßenverkehr (EU27+UK)
  • Betrachtung eines Technologiemixes, der den Weg zur Treubhausgasneutralität bestmöglich unterstützt.

Insbesondere werden in dieser Studie die erreichbaren ›Ramp-ups‹ neuer Fahrzeugtechnologien, die Stromerzeugungs- und -verteilungsinfrastruktur sowie die Rohstoffversorgung auf quantitativer Basis berücksichtigt. Das Hochlaufpotenzial defossiler Transformationspfade ist von großer Bedeutung, um das verbleibende theoretische THG-Budget einzuhalten, das für Europa gemäß den Pariser Klimazielen angenommen wird.

Der neue modellbasierte Optimierungs- und Analyserahmen, der in dieser Studie verwendet wird, befasst sich ausdrücklich mit der Frage, wie die kumulierten THG-Emissionen im Straßensektor der EU27+UK minimiert werden könnten. Die Ergebnisse zeigen, dass ein Mix aus kohlenstoffneutralen Transformationspfaden den Übergang zur Treibhausgasneutralität im Vergleich zu Szenarien mit nur einer Technologieoption deutlich beschleunigen kann. Ein Technologiemix reduziert somit die kumulierten Treibhausgasemissionen im Laufe der Zeit erheblich.

Der vollständige Abschlussbericht wird in sechs bis acht Wochen vorliegen.

Dr.-Ing. Ulrich Kramer (Ford-Werke GmbH)
Dr. rer. pol. David Bothe (Frontier Economics Ltd.)
Dr. Christoph Gatzen (Frontier Economics Ltd.)
André Pfannenschmidt (Frontier Economics Ltd.)
Carolin Baum (Frontier Economics Ltd.)
Fabian Schrogl (Frontier Economics Ltd.)
Osama Mahmood (Frontier Economics Ltd.)